Blick auf den Leuchtturm List-Ost mit Sand und Strandhafer im Vordergrund

Sylt

Highlights

  • Deutschlands Promi-Insel Nr. 1
  • 40 km Strand
  • Reetgedeckte Häuser
  • Das UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer
  • Eine fremdartig-schöne Dünenlandschaft

Das Ende von Deutschland ist einsam, still und magisch schön. Wer es sucht, wird auf der Insel Sylt fündig werden. Mit ihrem nordfriesischen Charme zwischen Leuchttürmen, Strand und reetgedeckten Häusern zieht sie nicht nur die Promis in ihren Bann!

Der Ellenbogen: Das einsame Ende Deutschlands

Das Ende von Deutschland fühlt sich tatsächlich ein bisschen so an wie das Ende von allem. Fast könnte man meinen, der letzte Mensch auf Erden zu sein, wenn man hier im Abendlicht über die sandigen Dünenpfade zum Strand hinab steigt – argwöhnisch beäugt lediglich von dem zuckenden Licht des rot-weiß geringelten Leuchtturms. Die Einsamkeit wiegt schwer an diesem fast schon magischen Ort – ein Gefühl, dem man im lebhaften Deutschland wirklich nicht allzu oft begegnet – und um Mittsommer herum scheint es auch hier nicht richtig dunkel werden zu wollen. Im fahlen Schein der irgendwo am Horizont verweilenden Sonne wirkt die unberührte weite Sandfläche zwischen Leuchtturm und Meer fast schon wie die Eisfläche eines zugefrorenen Sees, die leise unter den Schuhsohlen knirschend den Eindruck vermittelt, als müsste sie unter dem nächsten Tritt plötzlich aufbrechen und einen verschlingen.

Tatsächlich aber ist das Ende der Welt an dieser Stelle noch lange nicht erreicht. Der nördlichste Punkt Deutschlands allerdings schon. Er liegt am sogenannten Ellenbogen auf der Insel Sylt: Ein lustig geformtes, grünes Fleckchen Erde zwischen tiefblauem Ozean, weißem Sandstrand und UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer. Keine Frage: Bei der Gestaltung von Sylt hat Mutter Natur sich besonders ins Zeug gelegt. Und trotzdem ist die schöne Naturlandschaft bei weitem nicht das Erste, was den meisten in den Sinn kommen dürfte, wenn sie an das Eiland denken. Die andere, in der öffentlichen Wahrnehmung dominantere Seite von Sylt, die wird repräsentiert von grauhaarigen Männern, die mit wehendem Seidenschal auf teuren Motorrädern über die Insel cruisen, von fantastischen Immobilienpreisen, die die ureigene Bevölkerung immer mehr ins Abseits drängen, und von den Jungs am Nachbartisch, die sich darüber austauschen, welche Berühmtheit sie über die Woche hinweg angeschickert über die Insel haben stolpern sehen. „Promi-Insel“ ist der Begriff, der daraus resultiert, wenn man all diese Zutaten in einen Topf wirft und einmal gut umrührt – und die Bezeichnung ist mit Sylt etwa so eng verbunden, wie die Insel selbst über den Hindenburgdamm mit dem Festland.

Mit der Piratenflagge in den Kampf um den besten Strandkorb

Die Keimzelle der Sylter High Society liegt in Kampen, einem kleinen Örtchen, in dem – wie fast überall auf der Insel – ansehnliche Reetdachhäuschen die Straßen säumen. Bloß sagt man, dass die Dichte an dicken Karren hier besonders hoch sei. Wenig verwundert es da, dass die Sylter Luxusmeile schlechthin, der Strönwai, hier zu finden ist und die gut betuchten Gäste in seinen Edel-Boutiquen mit hochpreisigen Waren versorgt. Daneben findet sich hier natürlich auch noch der populäre (Promi-)Nachtclub Pony und die Buhne 16, Deutschlands berühmteste (Promi-)Beachbar am FKK Strand, ist auch nur einen Katzensprung entfernt. Ein weiterer Dreh- und Angelpunkt des Sylter Prominentenlebens ist die Sansibar im Süden der Insel: ein hübsches Restaurant in den Dünen von Rantum, das es irgendwie geschafft hat, von einem unscheinbaren Kiosk zum Inselimperium heranzuwachsen, inklusive Millionen Euro schwerem Weinschatz im Keller, absurd teurer Currywurst mit Pommes und einem Piraten-Säbel-Logo, das von Sylt-Fans wie ein Wappen auf Kleidungsstücken und Autokarosserien in den Krieg um den besten Strandkorb getragen wird. Eines kann man festhalten: Wer gerne einmal Urlaub zwischen allen möglichen aus der Fernsehwelt bekannten Gesichtern machen möchte, ist auf Sylt definitiv an der richtigen Adresse.

Wer will zurück nach Westerland?

Wen das hingegen eher weniger interessiert, der sollte sich an dieser Stelle wieder den anderen Inselsehenswürdigkeiten widmen... wobei wir da zunächst noch einen kurzen Abstecher nach Westerland machen müssten, und ob man Westerland jetzt unbedingt als Sehenswürdigkeit bezeichnen will, ist zumindest fragwürdig, gilt der Ort in der bauchigen Mitte Sylts doch vielen als Inselschandfleck schlechthin. Und, viel um den heißen Brei herumzureden gibt es da wirklich nicht: Schön ist anders! Denn da, wo sonst auf der Insel der Strandhafer mit den Leuchttürmen, den Kartoffelrosen und den entzückenden alten Häusern darum konkurriert, das beste Postkartenmotiv zu sein, streiten sich in Westerland graue Hochhausbunker um die beste Sicht aufs Meer. Immerhin kann man hier aber ganz wunderbar an der Strandpromenade sitzen und Wetten darauf abschließen, welchem Passant als nächstes das Fischbrötchen von den launisch dreinblickenden Möwen aus der Hand gerissen wird – und ebenso wunderbar die Konsequenz bewundern, in der manche Paare den Partnerlook auf Sylt ausleben (sie: pinke Hose, orangene Weste, weißer Pulli, er: orangene Hose, weiße Weste, pinker Pulli).

Mit der Speisekarte Sylt erkunden

Vom Streitfall Westerland einmal abgesehen herrscht allerdings gemeinhin Einigkeit darüber, dass es auf Sylt einfach schön ist. Dagegen kann wirklich niemand etwas sagen. Graue Hochhäuser trifft man in den anderen Inselorten zum Glück nicht an, dafür aber viel nordfriesischen Charme, der sich in kleinen Ladenlokalen, Teestuben und gemütlichen Restaurants widerspiegelt. Was die Gaumenfreuden angeht, überzeugt Sylt sowieso mit einer Vielzahl ausgezeichneter Restaurants. Der Stellenwert, den das Speisen hier einnimmt, wird unterstrichen vom inseleigenen Gastronomieführer „Sylt à la carte“. Das gehobene Segment an Preisen, die durchaus mit dem Salzgehalt des Meeres mithalten können, wird Sylt zwar gerne zum Vorwurf gemacht, man muss zur Verteidigung des Eilands allerdings an dieser Stelle einwerfen, dass die Insel trotz aller Exklusivität nicht mit Discount-Supermärkten geizt und somit auch ermöglicht, preiswert einzukaufen und selbst zu kochen, anstatt teuer auswärts zu essen.

Auf Entdeckungsreise am Strand

Gut stärken sollte man sich in jedem Fall, bevor man zu einem ausgedehnten Strandspaziergang aufbricht, denn mit ihrer beachtlichen Länge von 40 km bietet die Sandfläche mehr als genug Raum für längere Touren. Auf einen besonders ansprechenden Strandabschnitt trifft man am Roten Kliff: einer erdfarbenen Steilküste, die mit ihrer warmen Farbgebung besonders in den Abendstunden einen bezaubernden Kontrast zu dem hellen Sand bietet. Eine Sehenswürdigkeit ganz anderer Art wiederum findet sich im Süden der Insel, wo sich Sylts Bewohner und Fans seit Jahren gegen den stetig voranschreitenden Landschwund abmühen. Ein sichtbares Zeugnis dieses Kampfes sind die etwas skurril anmutenden Tetrapoden am Strand bei Hörnum: tonnenschwere, vierbeinige Betonklötze, die als Wellenbrecher dem Küstenschutz dienen sollten. Viel gebracht hat die gut gemeinte Idee allerdings nicht, weswegen heute keine Betonklötze mehr angeschleppt werden, sondern stattdessen Sand aus dem Meer an die Strände gespült wird, um die Landmasse zu erhalten. Die Tetrapoden machen sich immerhin weiterhin gut als Fotomotiv – oder als Sitzgelegenheit für die Verschnaufpause zwischendurch.

Wie auf dem Mond — nur anders…

Man kann sich natürlich auch, statt all der Lauferei zu frönen, einfach Handtuch, Buch und Sonnenschutz schnappen und die Tage damit verbringen, sich am Strand von der einen auf die andere Seite zu wenden, vor sich hinzudösen oder den Kitesurfern bei ihren Stunts zuzusehen. Dass der Strand in jedem Fall ein Publikumsmagnet ist, der auf Sylt seinesgleichen sucht, muss man nicht extra erwähnen. Was man stattdessen vielleicht erwähnen sollte ist, dass auch das Land jenseits des Meeressaums eine ganze Reihe an Reizen mitbringt, die man sich trotz der Verlockung eines weiteren Tages am Wasser keinesfalls entgehen lassen sollte: Insgesamt fünf Leuchttürme zieren die Insel zwischen Ponyweiden, Schafwiesen und einer Dünenwelt, die unwillkürlich an eine Mondlandschaft denken lässt, mit all ihren Hügeln und Kratern und ihrer eintönig-schönen silbrig-grünen Farbwelt – auch wenn der Begriff aufgrund des flächendeckenden Bewuchses eigentlich vollkommen fehl am Platz ist. Wer sie erkunden will, kann sich zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf ausgezeichneten Pfaden seinen Weg hindurch bahnen. Die Dünen selbst zu betreten ist hingegen strengstens untersagt – zum Schutz des fragilen Bewuchses, der sie vor Abtragung durch Wind schützt. Besonders fasziniert die weitläufige Landschaft im Norden der Insel, da, wo man auch Sylts letzte Wanderdüne bewundern kann, die mit einer Geschwindigkeit von bis zu zehn Metern pro Jahr gemächlich durch die Landschaft walzt.

Eine Insel, viele Gesichter

Wie man seine Tage auf Sylt schlussendlich auch verbringen mag, ob bei ausgedehnten Shopping-Touren auf den Spuren der Prominenten, beim Sonnenbaden am Strand oder bei Wanderungen durch Watt und Natur, eines lässt sich festhalten: Deutschlands größte Nordseeinsel ist definitiv eine Insel voller Gegensätze. Letzten Endes, und das ist ja das Schöne, hält sie aber doch für wirklich jeden Geschmack die passenden Eindrücke bereit. Und welche Bilder nun vor dem eigenen, geistigen Auge auftauchen wenn man an sie denkt – seien es nun Bilder von Männern und Frauen, die im Blitzlichtgewitter der Paparazzi teuren Sekt schlürfen, Bilder von lachenden Kindern am Strand oder eben Bilder vom flackernden Licht des rot-weiß geringelten Leuchtturms über einer unberührten Sandfläche – das bleibt ja zum Glück jedem ein Stück weit selbst überlassen.